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Faszination Brückenbau

Marcus Vitruvius Pollio, römischer Architekt und Ingenieur

Marcus Vitruvius Pollio, römischer Architekt und Ingenieur. [Lizenz: gemeinfrei, Quelle: http://goo.gl/SRh5E]

Nützlichkeit, Beständigkeit und Schönheit sind nach Meinung des römischen Architekten und Ingenieurs  Vitruv die Kriterien, die die Qualität eines Bauwerks kennzeichnen. Diese drei Attribute treffen gewiss auf die meisten Brücken  zu, deren Geschichte bereits 2000 v. Chr. in Indien und China begann. Dort kamen findige Menschen auf die Idee, einfache Hängebrücken zu bauen. Es war also schon immer das Streben des Menschen, Hindernisse wie Flüsse oder Schluchten zu überwinden und sich zu verbinden. Aber Brücken bauen ist nicht nur ein Überqueren von Tälern und Gräben. Brücken  sind Zeugen hoher Baukunst und  ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Das beginnt bei einer Behelfsbrücke zum Beispiel im Bereich des Umweltschutzes bis hin zu den filigranen Kunstwerken der Gegenwart.

Bauen zum Nutzen des Menschen

Brücken erfüllten und erfüllen immer einen Nutzen. Sie waren niemals Protzbauten, mit denen ein Herrscher sich ein Denkmal setzen wollte. Mit dem gewachsenen Wissensstand veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte auch der Brückenbau. Dazu zählten neue Kenntnisse über Materialien und deren Tauglichkeit für den Brückenbau. Die ersten Brückenbauer mussten mit dem Material vorliebnehmen, das in unmittelbarer Umgebung vorhanden war, also Baumstämme und Büsche. Die hölzernen Brückenbauten erfüllten ihren Zweck und ermöglichten es den Menschen, ihren Lebensraum zu erweitern.

Antiker Brückenbau

Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien). [Lizenz: GNU, Quelle: Dantla http://goo.gl/AJSnD]

Pontifex Maximus ist ein Titel, den bis heute jeder Papst trägt. Übersetzt bedeutet er „oberster Brückenbauer“ und kann als Verbindung zwischen Himmel und Erde oder heute eher als symbolische Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen interpretiert werden. Ursprünglich war es der Titel des Obersten Priesters bei den antiken Römern. Die Römer entdeckten, dass Brücken nicht nur friedlichen Zwecken dienen können. Mit Brücken ließen sich auch die langen Wege bei ihren Eroberungszügen verkürzen. Die römischen Baumeister  nahmen Steine als Baustoff und erfanden eine Art Beton zum Ausgleich von Unebenheiten. In dieser Zeit wurden die ersten Bogenbrücken gebaut, von denen einige noch erhalten sind.  Ein Beispiel ist 188 Meter lange Brücke im spanischen Alcántara. Sie hat einen Pfeilerabstand von 36 Metern und ist in 71 Meter Höhe seit Jahrhunderten ein faszinierter Zeuge römischer Brückenbaukunst. Mit dem Untergang des Reiches der Römer gingen auch viele  Kenntnisse über den Brückenbau verloren.

Die eiserne Revolution

 Die Golden Gate Brücke in San Franzisko, gesehen vom nördlichen Ende der Baker Beach.

Die Golden Gate Brücke in San Franzisko, gesehen vom nördlichen Ende der Baker Beach. [Lizenz: CC, Quelle: Christian Mehlführer http://goo.gl/AuDu1]

Auch nach den Römern wurden natürlich noch Brücken gebaut. Holz und Stein waren für lange Zeit die wichtigsten Baumaterialien. Erst mit der Industrialisierung ergaben sich auch im Brückenbau Veränderungen, die, ohne zu übertreiben, als revolutionär bezeichnet werden können. Im Jahr 1779 wurde in England die erste Brücke aus Gusseisen gebaut. Sie trug  den naheliegenden Namen „Ironbridge“. Der Bau von Walzträgern erweiterte die Möglichkeiten. Nun waren beim Brückenbau Spannweiten möglich, die vorher nicht vorstellbar waren. Zu den Bogen- und Balkenbrücken kamen neue, auf den ersten Blick sehr gewagte Formen hinzu. Die Brückenbauer dachten sich Tragesysteme aus, deren Spannweiten praktisch unbegrenzt waren. Ein gigantisches Bauwerk aus jener Zeit ist die berühmte „Golden Gate Bridge“ in San Francisco. Der Bau der Hängebrücke brach damals viele Rekorde, die lange Bestand hatten. Die Pfeiler, der 2332 Meter langen Brücke, sind 227 Meter hoch, die Kabelstränge 92 Zentimeter dick.

Alte Liebe rostet

Bewehrungsstahl (Moniereisen) für ein Fundament

Bewehrungsstahl (Moniereisen) für ein Fundament [Lizenz: GNU, Quelle: Luigi Chiesa http://goo.gl/lFXFn]

Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich die Situation beim internationalen Brückenbau. Die Tatsache, dass die zahlreichen Stahlkonstruktionen rostanfällig waren, bedeutete das Ende  des eisernen Brückenbaus. Die Unterhaltung der Brücken war zu kostspielig geworden. Außerdem waren die Stahlpreise in die Höhe geschossen, was ebenfalls dazu beitrug, dass Brücken aus Eisen unwirtschaftlich wurden. Ein französischer Gärtner experimentierte in den 1875er Jahren in seinem Garten mit Blumenkübeln. Bei seinen Versuchen mit Beton fand er heraus, dass der Beton noch mehr Stabilität zeigt, wenn er mit Stahlresten vermengt wird. Ein Jahr später ließ Herr Monier sich seine Erfindung patentieren, die unter dem Begriff „Moniereisen“ in die Geschichte einging und letztendlich den Brückenbau weiterentwickelte.

Brücken aus Stahl und Beton

Die Sunnibergbrücke in Klosters-Serneus, Schweiz von unten

Die Sunnibergbrücke in Klosters-Serneus, Schweiz von unten [Lizenz: GNU, Quelle: Ikiwaner http://goo.gl/362ij]

Die richtige Mixtur aus Stahl und Beton wurde bald zur ökonomisch sinnvollsten Methode des Brückenbaus. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Deutschland zahlreiche Stahlbetonbrücken, die in jeder beliebigen äußeren Form gebaut werden können. Nächster Schritt in der Entwicklung des Brückenbaus war die Spannbetontechnik, die in Deutschland in den 1950er Jahren zunehmend verwendet wurde. Jetzt waren noch schlankere Brückenkonstruktionen möglich. Ein großartiges Bauwerk der Spannbetontechnik ist die Sunnibergbrücke in der Schweiz. Sie ist 525 Meter lang. Die Schrägkabelbrücke ist in einem Radius von 500 Metern gebogen und besteht aus vier Pfeilern, die nach außen gekrümmt sind. Der feingliedrige Bau fügt sich beispielhaft in die Landschaft ein. Aber auch in Zukunft werden Brücken gebaut werden, von denen eine ähnliche Faszination ausgeht. Mit neuen Werkstoffen werden zukünftige Brückenbauer Konstruktionen erschaffen, von denen wir heute nur träumen können.

Wer selbst einmal imposante Brückenbauten erschaffen will, kann sich mit Hilfe gut durchdachter Computersoftware, wie z.B. dem Brückenbau-Simulator Bridge Builder 2, am heimischen PC oder MAC in die Welt der großen Brückenbauer versetzen und seiner Fantasie freien Lauf lassen.